Der Meister trägt Gelb

Es dürfte eine der größten sportlichen Überraschungen im deutschen Profisport in den letzten Jahren gewesen sein. Historisch war es alle mal. Noch nie gewann ein Team in einem Finale Spiel 5 auswärts. Noch nie gewann ein Team die deutsche Meisterschaft, obwohl es alle 15 Playoff Partien spielen musste. Und noch nie drehte ein Team in einem Entscheidungsspiel um die deutsche Meisterschaft einen 20 Punkte Halbzeitrückstand. Zugegeben, es dürften nicht viele Gelb-Blaue zur Halbzeit gedacht haben, dass das nochmal ein knappes Spiel wird. Uli Hoeneß war auch, wie immer, der Zeit voraus und plauderte im Interview mit DYN zur Halbzeit, dass der FCBB sich das jetzt nicht mehr nehmen lassen wird.

Was folgte war, wie angeschnitten, historisch. Bis zur Mitte des dritten Viertels kämpfte sich ALBA schon mal heran, verlor dann wieder den Anschluss auf -16. Doch der Buzzerbeater von MVP Justin Bean sorgte für DEN Wendepunkt. Ab da flogen die Dreier sicher ins Ziel und das Team spielte sich, angefeuert von den frenetischen ALBA-Fans, in einen Rausch, der sich 3 Sekunden vor Spielende, nach dem letzten Rebound von Jonas und Jacks Freudenwurf unter das Hallendach, entlud.

Typischerweise bleibt nach so einer Meisterschaft im wahrsten Sinne nicht viel übrig. Die Verträge von Martin, Justin, Moses, Michael, Alex, J’Wan, und Bennet liefen aus. Zu dem ging die Leihe von Jack zu Ende, der Anfang der zweiten Runde von den Houston Rockets gedrafted und dann via Trade bei den New York Knicks landete. Der Wechsel von Michael Rataj nach Ulm war definitiv der erste Stimmungsdämpfer nach der Meisterschaft. Doch danach war Chefkoch Himar Ojeda nur noch am kochen. Neu verpflichtet wurden Brandon Angel, Julius Böhmer, Jordan Ford und Joe Wieskamp. Den großen Knall gab es aber mit den Vertragsverlängerungen von Martin und Justin für jeweils 3 Jahre und Jack für FÜNF Jahre. Bis hier hin ist es ein Sommer, den vermutlich kaum einer so erwartet hat. Und beim Fanfest in der Sömmeringhalle sagte Himar, dass die Kaderplanung noch nicht durch ist und ein Bigman noch gesucht wird.

Auch die Frauen konnten in der abgelaufenen Saison überraschen. Im zweiten Anlauf klappte es mit dem Pokaltitel in der heimischen Sömmeringhalle. Ansonsten war es eine Saison mit Höhen und Tiefen, welche in der Halbfinalserie gegen die späteren deutschen Meisterinnen aus Keltern mit 0:3 ihr glanzloses Ende nahm. Die Erwartungshaltung den Meistertitel wieder zu gewinnen, wäre nach der Saison definitiv nicht richtig gewesen. Nach dem Pokaltitel war bei dem einem oder anderen vielleicht doch die Hoffnung da den Rutronik Stars mehr abzuverlangen. Für 2026/2027 wurden größere Veränderungen vorgenommen. Marie Bertholdt, Theresa Simon, Emily Kiser, Abby Muse und Jo Raflo werden alle nicht zu den Damen zurückkehren. Bei den Zugängen wird es international. Fanta Gassama kommt aus Spanien, Tara Wallack aus Ungarn, Katerina Marini aus Griechenland und Lauren Ware vom College aus den USA. Zusätzlich wechseln Mia Wiegand und Océane Monpierre zu den ALBA BERLIN Frauen.

Auch die Jugend durfte feiern. ALBAs WU16, die NBBL- und WNBL Mannschaften wurden jeweils deutscher Meister.

Also eigentlich alles im Lot. Blauer Himmel und eine gelbe Sonne. Leider nicht ganz. Ja, es war eine Meisterschaft für die Geschichtsbücher. Es wird einen großen Beitrag im Saisonheft 2026/2027 und ein neues Banner an der Hallendecke geben, was überraschenderweise sogar mit einer Zeremonie gefeiert wird (ENDLICH!!!) Im Süden gab es viele Veränderungen. Ein neuer Sportdirektor, ein neuer Trainer (beide aus der BBL) und neue Spieler, u.A. Johannes Thiemann. Es bleibt abzuwarten, ob die Bayern mal mehr als die Summe ihrer Einzelteile sind (Grüße an DYN Timeout). Und auch der Rest der Liga wird richtig Bock haben, den deutschen Meister zu schlagen. Nicht nur das große ALBA BERLIN, sondern den deutschen Meister ALBA BERLIN. 17 Hallensprecher werden sich irgendwelche überdrehten Phrasen zurechtlegen, sollte ihr Verein, aus ihrer Sicht natürlich jetzt gerade der Underdog, gegen uns gewinnen.

Was auch bleibt ist das Erlebnis ALBA BERLIN, wie man es die letzten Jahre gewohnt war und ist. Zu erwarten ist, dass die üblichen kleineren Anpassungen passieren. Andere Einblendungen, ein neuer Trailer, neue Pausenspiele. Hinter den Kulissen fanden in den letzten zwei Jahren regelmäßig Gespräche zwischen dem Block 212, ALBA BERLIN und dem ALBA-Tross e.V. statt. Leider müssen wir immer noch hinnehmen, dass sämtliche unserer Ideen und Wünsche für einen aktiveren Fanblock, einer größeren Fanbindung, mehr bezahlbare Angebote für Auswärtsfahrten und einem größeren Alleinstellungsmerkmal des Events ALBA BERLIN nicht umgesetzt werden.

Trotzdem blicken wir mit Vorfreude nach vorne. Wir haben richtig Bock auf die neue Saison. Aber ohne große Erwartungshaltung. Die Meisterschaft war großartig, aber unerwartet. Wir starten mit einem anderen, vielleicht unvollständigen Kader in die Saison. Auf dem Papier sind die Säulen zwar geblieben. Aber das Papier hat noch nie Spiele gewonnen und die letzten Testspielergebnisse schreien auch nicht nach einem Durchmarsch, weder bei den Frauen, noch bei den Herren. Malte hat es nach der Meisterschaft im Interview gesagt. „Wir waren einen Alonzo Verge Pass oder einen Kuhse Dreier davon entfernt rauszufliegen.“ Mit dieser Demut gehen wir gegen die 9ers Chemnitz in die neue Saison. Das Banner unter der Hallendecke wird uns immer an eine der beeindruckendsten Playoffruns aller Zeiten erinnern. Aber ab dem Sprungball nützt das nüscht mehr. Dann beginnt alles wieder bei 0:0. Ab da wollen wir Laut sein und das Team unterstützen und vor allem den Rücken stärken, wenn es mal nicht so läuft. Für Berlin, für ALBA!

Block 212 Berlin