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Was sich liest wie die Lottozahlen, sind die ViertelstÀnde beim Spiel gegen die EisbÀren Bremerhaven am 17.02.2013 in der, damals noch, O2-World.

Das dritte Viertel war gespielt. ALBA lag 56 zu 57 hinten. Das Team um Sven Schultze, Zach Morley und Dashaun Wood tat sich schwer. Eines dieser Bremerhaven-Spiele am Sonntagnachmittag.
Das Publikum schwankte zwischen Anfeuern und Verzweifeln.

Es musste etwas passieren. Also nahm ich allen Mut zusammen und griff mir das Megafon, welches schon seit einigen Spielen keine Benutzung fand.

Ich weiß nicht mehr, was das Erste war, was ich gesagt habe. Meine Stimme hat gezittert. Auf einmal sehen einen tausende Augenpaare an. Man blickt in die Menge und sieht Gesichter, die einen fragend anschauen.  So fing meine zukĂŒnftige Rolle bei ALBA Berlin an.

Das Publikum hat es mir bei diesem Spiel leicht gemacht. ALBA gewinnt das letzte Viertel 25:19 und somit das Spiel 81:76.

Einmal angefangen, habe ich ab da bei (fast) jedem Spiel weitergemacht. Mittlerweile seit 10 Jahren.

Der Support von ALBA hat sich in diesen 10 Jahren verÀndert: Keine reinen Trommelrhythmen und ALBA- bzw. Defenserufe, mehr GesÀnge sind dazu gekommen. ALBAfans sind gekommen und gegangen, einige sieht man heute weiterhin.
Menschen sprechen mich im Privaten an, weil sie mich erkennen.
Oft wird davon ausgegangen, ich mĂŒsste sie auch kennen. Ich gebe zu: Ich kenne nicht jede/n. Ich schaue in viele Gesichter, aber ich registriere nicht alle. Seht es mir nach!

In den 10 Jahren wurde mir auf die Schulter geklopft, wenn das Team gut gespielt hat. Ich wurde beleidigt, wenn es nicht so gut lief. Persönlich, aber auch ĂŒber Social Media. Ich war dann das Ventil, das leicht zu erreichen war. Mittlerweile kann ich damit umgehen, erstaunlicherweise sogar eher mit negativer Kritik als mit positiver.

Ich weiß, dass nicht jeder bzw. jedem gefĂ€llt, was ich mache und wie ich es mache.
Mir wurde gesagt, ich schaue grimmig. Ich wĂŒrde es konzentriert nennen. Ich ĂŒberlege mir oft im Vorfeld bereits fĂŒr verschiedene Spielsituationen das entsprechende Lied oder den entsprechenden Schlachtruf. Oft macht das Team es dann anders und ich muss improvisieren.

Ich weiß, ich kann mich auf die Trommler auf dem Podest verlassen. Mit Jakob verstehe ich mich ohne Worte. Wir mĂŒssen uns mitunter nur ansehen und ich mache drei, fĂŒr andere unverstĂ€ndliche GerĂ€usche und er weiß, was kommt. Nicolas springt ein, wenn nötig. Er macht seine Sache anders, aber nicht weniger gut.
Die Trommler vom Fanclub ALBATROSS ziehen mit. Nicht selbstverstÀndlich, wenn man sich andere Basketballstandorte in Deutschland ansieht, wo Fanclubs eher gegeneinander arbeiten.

Ich bin in den 10 Jahren auch fĂŒr viele Personen und Themen zum Ansprechpartner geworden. Neben dem Team und Offiziellen vom Verein auch fĂŒr Fans und Zuschauende. Manche sagen, ich bin arrogant. Mitnichten. Ich bin eigentlich eher der Ruhige, wenn ich mich in neuen Situationen zurechtfinden muss. Ich kann einfach keinen Small Talk. Das mĂŒssen andere machen, die ich gerne vorschicke.

Ich rufe lieber mit meinem Megafon in die Menge, motiviere alle. Klar, ich kann sauer werden, wenn der Support nicht so ist, wie ich ihn mir vorstelle. Macht es mir immer Spaß, wenn das Team nicht liefern kann, mit 20 Punkten zurĂŒckliegt und die Mitmachquote gering ist? Ich kann mir Schöneres vorstellen. Ich feiere auch lieber, wenn wir starke Spiele gegen Bayern oder Barcelona sehen. Aber „sing when you’re winning“ können andere. Ich sehe keine Alternative, als auch bei Minus 20 weiter anzufeuern.

Ich werde mitunter nach Autogrammen und Fotos gefragt. Dabei fĂŒhle ich mich unwohl. Denn ich bin nicht besser oder anders als die weiteren ALBAfans. Vielleicht etwas antreibender und es fĂ€llt mir leichter, aus mir rauszugehen. Aber ich zahle genauso meine Dauerkarte und meine AuswĂ€rtsfahrten.
Ich bin einer von vielen, die ALBA Berlin lieben und unterstĂŒtzen.

Was es mir bringt, mitunter nichts vom Spiel mitzubekommen, heiser nach Hause zu gehen sowie AngriffsflĂ€che, auch fĂŒr gegnerische Fans, zu sein? Ich gebe dem Verein alles, was ich kann.
Mit Leib und Seele – nicht nur auf dem Feld, sondern auch abseits. ALBA ist fĂŒr mich mehr als ein Basketballverein. ALBA bedeutet Familie und Freunde.
Ich krieche fĂŒr den Verein auf dem Boden bei der Vorbereitung von Choreos, investiere Zeit und Geld fĂŒr Spiele in Deutschland und Europa und strapaziere meine StimmbĂ€nder bis zum Letzten.

Als Belohnung sehe ich in glĂŒckliche und feiernde Gesichter, wie bei Titelgewinnen oder leidenschaftlichen Siegen. Ich bin nah am Team und Verein und kann die Fanszene mit beeinflussen. Ich lebe meine Leidenschaft aus

Wie lange ich das noch mache? Ich weiß es nicht. Eigentlich kann ich nicht anders. Diese Saison auf jeden Fall noch.
Ich habe noch ein persönliches Ziel: Eine Meisterschaft zuhause feiern. Auch wenn Titelgewinne auswÀrts schön sind. Pokalsiege zum Beispiel.

ALBA hat 2013 ĂŒbrigens auch den Pokal geholt und Bayern dabei im Halbfinale besiegt.
Geschichte darf sich gerne wiederholen.

Danke fĂŒrs Lesen!
Alex

PS: Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wider.
Ich möchte mich in dem Zuge aber auch bei den Jungs und MÀdels von der Fangruppe Block 212 bedanken, denen ich mitunter viel abverlange, die aber meine Leidenschaft teilen und die ich Freunde nennen darf.